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Vorläufiges Ergebnis Landtagswahl 2026 - Gemeinde Dürnau
Offener Brief - Erneuerbare Energie - Netzverknüpfungspunkt
Offener Brief - zur Gefährdung der Energiewende durch fehlende Netzanschlüsse, schleppende Digitalisierung und Smart‑Meter‑Defizite
Sehr geehrte Frau Bundesministerin Reiche,
Sehr geehrte Mitglieder des Deutschen Bundestages,
Sehr geehrte Mitglieder des Landtages Baden-Württemberg
die Transformation unseres Energiesystems ist eines der zentralen Zukunftsprojekte unseres Landes. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben das Ziel formuliert, erneuerbare Energien rasch auszubauen und die Stromnetze entsprechend zu ertüchtigen. Doch genau dieses Ziel wird derzeit durch fehlende Netzanschlüsse, langsame Verwaltungs‑ und Digitalprozesse und den stockenden Smart‑Meter‑Rollout ausgebremst.
1) Fehlende oder verzögerte Netzanschlüsse und die Auswirkungen auf die Gemeinde Dürnau, symptomatisch für die aktuelle Entwicklung.
Die Gemeinde 88422 Dürnau verfügt seit 2024 über einen geplanten und genehmigten Solarpark der noch nicht gebaut werden konnte, da es bis heute keinen wirtschaftlich tragbaren Netzanschlusspunkt gibt. Dieser ist auch auf Jahre hinaus, 8 Jahre, nicht realisierbar (Brief Netze BW 16.12.2025).
Ein startbereites Projekt ist und bleibt blockiert, obwohl es regionale Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und Klimaziele stützen würde. Die Lage in Dürnau steht exemplarisch für viele Vorhaben im Land, wo der Ausbau der Erzeugung den Netzausbau überholt hat und Netzengpässe die Inbetriebnahme verzögern. Genau dieses Problem beschreibt auch die Debatte um das Netzpaket aus dem Bundeswirtschaftsministerium, das Regionen als „kapazitätslimitiert“ einstufen und Neuanschlüsse in solchen Gebieten erschweren könnte. [t-online.de], [cleanthinking.de]
2) Netzpaket von Frau Bundesministerin Reiche: Risiko einer strukturellen Vollbremsung
Der vorliegende Entwurf sieht u.a. vor, in stark belasteten Netzgebieten Entschädigungen für Abregelungen bei Neuanlagen über Jahre auszusetzen und Baukostenzuschüsse der Anlagenbetreiber für den Netzausbau zu verlangen – faktisch eine Abkehr vom Anschluss‑ und Einspeisevorrang für Erneuerbare Energien. Energieverbände, Fachmedien und Länderpolitiker warnen vor Investitionsunsicherheit bis hin zu einem de‑facto‑Stopp der Energiewende; ein Rechtsgutachten sieht Teile des Konzepts als europarechtswidrig, weil Netzzugang beschränkt würde. [pv-magazine.de], [focus.de]
Diese Maßnahmen lösen das Problem in Dürnau nicht – sie verschärfen es. Statt Hemmnisse abzubauen, würde der wirtschaftliche Business Case vieler Projekte weiter erodieren. [taz.de]
3) Schleppende Digitalisierung und Smart‑Meter‑Rollout: verpasste Flexibilität im System
Deutschland hinkt beim Smart‑Meter‑Rollout europäischen Vorreitern deutlich hinterher. Während die Smart‑Meter‑Durchdringung in Europa Ende 2024 bei ca. 63 % lag und bis 2029 auf ~80 % steigen soll, befinden sich Länder wie Italien und Spanien seit Jahren im Vollbetrieb mit nahezu flächendeckender Ausstattung; auch Skandinavien und Frankreich/UK melden hohe Bestände. Deutschland hingegen verzeichnete erst 2024/25 eine spürbare Beschleunigung – aus einem deutlich verzögerten Start heraus. [enlit.world], [berginsight.com], [ses.jrc.ec.europa.eu], [assets.pub...ice.gov.uk], [ffe.de]
Diese Verzögerung hat handfeste Systemfolgen: Ohne breite Verfügbarkeit von Smart Metern bleiben dynamische/variable Stromtarife, netzdienliche Steuerungen und lokal flexible Lastverschiebungen unter ihren Möglichkeiten – genau jene Instrumente, die Engpässe entschärfen und Redispatchkosten senken könnten.
Analysen zeigen, dass dynamische Tarife (auf Basis stündlicher Börsenpreise) Haushalte zu Lastverschiebung motivieren und Systemkosten senken; in Deutschland stehen wir damit noch am Anfang – obwohl es seit 1. Januar 2025 eine Angebotsverpflichtung gibt und Erfahrungen aus den nordischen Ländern vorliegen. [cleanenergywire.org], [ffe.de]
Wissenschaftliche Arbeiten bestätigen das Potenzial: Eine Fraunhofer‑Studie zeigt signifikante Einsparungen und höhere Flexibilitätsnutzung bei dynamischen Tarifen in Kombination mit Home‑Energy‑Management, EV und Wärmepumpe – vorausgesetzt, Preis‑Signale und Kosten (Messwesen) sind passend gestaltet. Weitere Forschung aus Deutschland (TUM) empfiehlt steuerliche/abgabenrechtliche Anpassungen, um real‑time pricing für Haushalte wirtschaftlich attraktiver zu machen. [publica.fr...unhofer.de], [mediatum.ub.tum.de]
Fazit: Ohne Smart‑Meter‑Skalierung und digitale Prozesse verpuffen Chancen, Lasten zu verschieben, variable Tarife zu nutzen und Netze vorausschauend zu fahren.
4) Intelligentes und bidirektionales Laden: ungenutzter Hebel zur Netzstabilisierung
Smart Charging und Vehicle‑to‑Grid (V2G) können Kosten für Haushalte senken, erneuerbare Überschüsse integrieren und Netze entlasten. Eine EY/Eurelectric‑Analyse beziffert die potenziellen Netzbetreiber‑Einsparungen auf ~4 Mrd. € jährlich bis 2030; zudem könnten EV‑Batterien rund 4 % des europäischen Strombedarfs als Flexibilität bereitstellen, wenn regulatorische und marktliche Rahmenbedingungen stimmen. [ey.com], [pveurope.eu]
In Deutschland hat der Bundestag 2025 wichtige Hürden für V2G (Doppelbelastung bei Netzentgelten/Steuern) abgebaut; der VDA begrüßt den Schritt und verweist auf >20 Fahrzeugmodelle mit bidirektionalen Fähigkeiten. Marktakteure erwarten dadurch ab 2026 bessere wirtschaftliche Bedingungen für V2G‑Dienste. [vda.de], [mobilityhouse.com]
Aber: Ohne Smart Meter, dynamische Tarife, einheitliche Standards und vereinfachte Messkonzepte bleiben diese Potenziale unerschlossen – während andere Länder (z. B. Frankreich mit seriennahen V2G‑Angeboten) vorangehen. [dialog.vde.com]
5) Windenergie: Vorranggebiete ja – aber ohne verlässliche Netzanschlüsse bleibt es Theorie
Baden‑Württemberg weist derzeit flächendeckend Vorranggebiete aus, um Tempo und Planungssicherheit zu erhöhen (Zielmarken nach WindBG/RED III; Abschluss der Regionalplanung zum 30.09.2025; Ziel ≥ 1,8 % der Landesfläche). Doch Genehmigungsfortschritte laufen ins Leere, wenn Netzanschlüsse fehlen oder deren Realisierung Jahre dauern. Landesstellen und Studien benennen Netzanschluss explizit als Hemmnis; das Umweltministerium kritisiert, das geplante Netzpaket sei nicht kompatibel mit den ausgewiesenen Vorranggebieten, weil es den Ausbau an den Netzzustand koppelt statt Netzausbau und Flexibilität konsequent voranzubringen. [kea-bw.de], [ews-schoenau.de], [um.baden-wuerttemberg.de]
Parallel zeigen Monitoring‑Dashboards die Ausbauziele und das Delta bis 2040 (12,1 GW), aber eben auch, dass die Netzinfrastruktur entsprechend skaliert werden muss – sonst bleiben ambitionierte Flächenkulissen und Projektpipeline unter Wert. [energieatlas-bw.de]
6) Resilienz & Weltlage: dezentrale Strukturen mindern Abhängigkeiten
Die Energiekrise 2022/23 hat gezeigt, wie Importabhängigkeiten – insbesondere beim Gas – Risiken für Wirtschaft und Gesellschaft erzeugen. Die Bundesregierung und die EU betonen seither Versorgungssicherheit, Diversifizierung und den schnelleren Ausbau erneuerbarer, dezentraler Strukturen (REPowerEU). Fachinstitutionen wie VDE/DVGW und Fraunhofer heben hervor, dass Dezentralisierung und Digitalisierung zentrale Hebel für resiliente Stromnetze sind. [bundeswirtschaftsministerium.de], [consilium.europa.eu], [vde.com], [emi.fraunhofer.de]
Ein dezentrales, digital gesteuertes Stromsystem mit lokaler Flexibilität, Speichern und intelligenter Sektorkopplung (u.a. Wärmepumpen, E‑Mobilität) reduziert Importabhängigkeiten, puffert Störungen und stützt damit Souveränität und Krisenfestigkeit – national wie europäisch. [bdew.de]
Unsere konkreten Forderungen
1. Konkreter Netzanschluss für Dürnau: Unverzüglich einen finanzierbaren, zeitnahen Netzanschlusspunkt festlegen und realisieren – notfalls über beschleunigte Netzerweiterungen und temporäre Betriebsführungskonzepte. (Der Fall ist exemplarisch; Verzögerungen konterkarieren Bundes‑ und Landesziele.)
2. Netzpaket überarbeiten: Keine Abkehr vom Vorrang für Erneuerbare. Stattdessen Beschleunigung des Netzausbaus, mehr Flexibilität (Redispatch‑Ersatz durch Flex‑Märkte), sowie klare Fristen/SLAs im Netzanschlussverfahren. [pv-magazine.de], [focus.de]
3. Smart‑Meter‑Rollout massiv beschleunigen: Messstellenbetrieb entbürokratisieren, Skalierung forcieren und Interoperabilität sichern – Ziel: EU‑Niveau erreichen, um dynamische Tarife, Flex‑Vermarktung und V2G breit zu ermöglichen. [enlit.world], [ses.jrc.ec.europa.eu]
4. Dynamische Tarife & variable Netzentgelte: Flächendeckende, verbraucherfreundliche Real‑Time‑Tarife mit preislichen Anreizen und Schutzmechanismen; Netzentgelte teilweise zeit‑/ortsvariabel, um netzdienliches Verhalten zu honorieren. [cleanenergywire.org], [link.springer.com]
5. Bidirektionales & intelligentes Laden skalieren: Nach dem Abbau der Doppelbelastung jetzt Standardisierung, Messkonzepte und Marktzugang (Flexmärkte, Aggregatoren) beschleunigen; Ziel: spürbare Netz‑ und Kosteneffekte bis 2026+. [vda.de], [mobilityhouse.com]
6. Wind‑Vorranggebiete mit Netz priorisieren: Netzanschlusskapazitäten synchron zur Regionalplanung sichern (Verteil‑ und Übertragungsnetz), inklusive Projektslots und verbindlicher Terminpfade für Vorrangflächen. [kea-bw.de], [fachagentu...d-solar.de]
7. Resilienzstrategien institutionalisieren: Dezentrale Erzeugung, Speicher, Insel‑/Zellkonzepte und Krisenübungen im Energiesystem systematisch verankern – als Lehre aus 2022/23. [bundeswirtschaftsministerium.de], [vde.com]
Schlusswort
Die Energiewende darf nicht an Bürokratie, unzureichend digitalisierten Prozessen oder einem Netzausbau im Schneckentempo scheitern. Gemeinden wie Dürnau, die Verantwortung übernehmen und baureife Projekte vorliegen haben, benötigen verlässliche Netzanschlüsse, digitale Abläufe und Rahmenbedingungen, die Flexibilität honorieren – nicht zusätzliche Hürden.
Wir appellieren daher an Sie: Moderner Netzausbau, schneller Smart‑Meter‑Rollout, dynamische Preissignale und bidirektionales Laden – jetzt umsetzen. Sorgen Sie bitte dafür, dass Vorranggebiete real ans Netz kommen und Deutschland seine Resilienz in einer unsicheren Welt stärkt.
Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Merk, Bürgermeister und der Gemeinderat Dürnau
Hinweise zu Quellen im Brief
Netzpaket & Folgen: t‑online/Analyse, pv‑magazine, Cleanthinking, taz, Focus. [ t-online.de ], [pv-magazine.de], [cleanthinking.de], [taz.de], [focus.de]
Smart‑Meter in Europa & Deutschland: Enlit/Berg Insight, JRC (EU‑Kontext), UK‑Statistik (GOV.UK), FfE (DE‑Rollout). [enlit.world], [berginsight.com], [ses.jrc.ec.europa.eu], [assets.pub...ice.gov.uk], [ffe.de]
Dynamische Tarife/Lastverschiebung: Clean Energy Wire (Faktenblatt), FfE‑Reihe (DE‑Pflicht ab 01.01.2025), Springer‑Review, TUM‑Studie. [cleanenergywire.org], [ffe.de], [link.springer.com], [mediatum.ub.tum.de]
Bidirektionales Laden: EY/Eurelectric‑Report & Zusammenfassungen, VDA‑Statement, Mobility House, VDE‑Dialog (EU‑Beispiele/Standards). [ey.com], [pveurope.eu], [vda.de], [mobilityhouse.com], [dialog.vde.com]
Wind‑Vorranggebiete & Netz: KEA‑BW, EWS‑Analyse (Hemmnisse inkl. Netzanschluss), Energieatlas BW (Ziele/Delta), B‑W‑UM‑PM zu Netzpaket‑Konflikt, bundesweiter Planungsstand (FA Wind & Solar). [kea-bw.de], [ews-schoenau.de], [energieatlas-bw.de], [um.baden-wuerttemberg.de], [fachagentu...d-solar.de]
Resilienz/Geopolitik: BMWE (Versorgungssicherheit), REPowerEU, VDE/DVGW (Resilienzpapier), Fraunhofer EMI (Resiliente Netze), BDEW (Resilienz‑Handlungsfelder). [bundeswirtschaftsministerium.de], [consilium.europa.eu], [vde.com], [emi.fraunhofer.de], [bdew.de]
Regelmäßiger Dorf - Hock im Jugendzentrum Dürnau
Liebe Dürnauerinnen und Dürnauer,
wir möchten unseren Juze-Raum künftig öfter nutzen und dabei Jung und Alt zusammenbringen. Daher öffnen wir ab sofort jeden ersten Sonntag im Monat ab 17 Uhr unsere Türen.
Es erwartet euch ein gemütlicher Dorf-Hock mit Abendessen, Getränken und netter Gesellschaft – perfekt für einen entspannten Wochenausklang in geselliger Runde.
Bitte beachtet: Wir haben nur eine begrenzte Anzahl an Essen vorbereitet. Wenn ihr als größere Gruppe vorbeikommen möchtet oder Fragen habt, sprecht uns Juze-Mitglieder gerne vorher an.
Wir freuen uns auf viele bekannte und neue Gesichter!
Liebe Grüße
Eure Juze-Mitglieder
Mitteilungsblatt der Gemeinde Dürnau
In unregelmäßigen Abständen veröffentlicht die Gemeinde Dürnau ein Mitteilungsblatt.
Sie können das aktuelle Mitteilungsblatt der Gemeinde Dürnau über den folgenden Link erreichen:
Belegungsplan Rathaus
Öffentliche Bekanntmachung Achte Satzung zur Änderung über den Anschluss an die öffentliche Wasserversorgungsanlage und die Versorgung der Grundstücke mit Wasser
Schöne Umgebung
Die schöne Umbegung mit Moor und Riedwiesen. den Naturschutzgebieten vom Blinden See und dem Federsee, vielen tausend ha Wald und einem gut ausgebauten Netz von Rad- und Wanderwegen macht Dürnau auch wegen seiner verkehrsgünstigen Lage zu einer beliebten Wohngemeinde.

